erlöst – vergnügt – befreit             mal kritisch – mal blauäugig – mal vergeekt

In Kirchengemeinden fallen massenweise personenbezogene Daten an. Laut dem Datenschutzgesetz unterliegen solche Daten einem besonderen Schutz und Kirchengemeinden müssen dafür sorgen, das dieser Schutz gewährleistet ist. Leichter gesagt als getan, in Zeiten von E-Mails, offenen W-Lans und leider viel zu wenig KnowHow auf dem technischen Gebiet.

Viele Gemeinden verschicken sensible und hochsensible Daten per E-Mail. In manchen Fällen sind diese nicht einmal auf dem Transportweg verschlüsselt (was ja glücklicherweise vor einiger Zeit von fast allen deutschen Providern unterbunden wurde). Doch selbst wenn die Transportwege verschlüsselt sind, landen dann etwa Kirchenvorstandsprotokolle auf ausländischen Servern, die sich einen Dreck um das deutsche Datenschutzrecht scheren und noch nie etwas vom Datenschutzgesetz der EKD gehört haben. Die landeskirchlich propagierte Version „E-Mail mit verschlüsselten ZIP-Containern“ finde ich unpraktikabel (und durch das Passwortteilen empfinde ich das als unsauber bis unsicher gelöst).

Um aus diesen vielen Unwägbarkeiten herauszukommen und das Leben etwas praktischer zu machen, habe ich mich das letzte Jahr in mehreren Anläufen darum gekümmert, wie ich es hinkriege, dass meine Gemeinde (datenschutzkonform) eine Cloud nutzen kann – und zwar nicht nur mit geteilten Dateien, sondern auch mit Kalendern, Aufgaben und Kontakten.

Am Anfang stand der Wunsch eines Kirchenältesten (übrigens jenseits der 70), ein Intranet ähnlich wie in Westfalen zu haben („Die wollten uns nicht in KIWI reinlassen, dann müssen wir halt was eigenes machen.“).

Zum Technischen: Kalender, Aufgaben, Adressen und Dateien lassen sich wunderbar mit Owncloud (oder auch NextCloud) teilen. Einen Provider in Deutschland (einfacher mit dem Datenschutzrecht zu vereinbaren) zu finden ist nicht schwer. Selbst der Dienstleister evangelischer Kirchen „KIGST“ bietet einen OwnCloud-Server; leider lässt sich die KIGST das jedoch pro Nutzer bezahlen. Da in einer Kirchengemeinde schnell sehr viele mögliche Nutzer zusammenkommen und die Fluktuation je nach Arbeitsbereich recht hoch ist, habe ich nach einem Anbieter Ausschau gehalten, der nach Speicher abrechnet und auch sonst mehr kann (etwa zusätzliche Addons installieren). Meine Wahl fiel auf Urospace/Rotcloud*, (keine Trafficlimits, keine Benutzerlimits, bis auf 20TB Speicherplatz erweiterbar) unter anderem weil dort die magischen Worte „Wir bieten ebenfalls Möglichkeiten für einen ADV-Vertrag an.“ zu lesen waren. Der ADV-Vertrag (ADV = Auftragsdatenverarbeitung) regelt, wie mit Daten umzugehen ist und nach welchem Datenschutzrecht zu handeln ist. Der ADV-Vertrag hat mich ganz schön Nerven gekostet. Als Theologe Juristendeutsch zu verstehen ist nicht ganz einfach und so setzte ich mich mal mit Juristen, mal mit Technikern und mal mit Datenschützern auseinander.

Am Ende hatte ich den Mustervertrag der EKD-Datenschützer so angepasst, dass er auf mein Szenario passte und die zuständige Datenschützerin zufrieden war. Und das war es letztlich auch schon. Der Hoster war mit dem ADV-Vertrag einverstanden und der Vertrag konnte geschlossen werden.

ABER!

Das Einverständnis der Datenschützerin endete nicht mit dem (hosterseitigen) ADV-Vertrag, sondern zog sich (natürlich) in den gemeindeseitigen Umgang mit Daten hinein. Wir einigten uns auf eine Vereinbarung, die jeder Nutzer der Cloud bei der Einrichtung seines Accounts unterschreiben muss. Kernpunkte sind:

  • Der Zugang zur Cloud muss passwortgeschützt sein (also bei dropboxmäßiger Synchronisierung direkt auf die Festplatte braucht man eine gesondertes Nutzerkonto in Windows[…], wenn der PC von mehreren Menschen geteilt wird)
  • das persönliche Passwort darf unter keinen Umständen in andere Hände fallen (es soll ja Menschen geben, die gerne ihre Passwörter mit anderen teilen, weil es so praktisch ist…)
  • Nach Beendigung des Ehren- oder Hauptamtlichen Dienstes müssen alle gespeicherten Daten auf den eigenen Geräten gelöscht werden
  • eine allgemeine Belehrung über Datenschutz, Glaubwürdigkeit und Vertrauen mit anvertrauten Menschen und Daten,…
  • Wenn der Nutzerkreis über die schon auf das Datengeheimnis verpflichteten Mitarbeiter hinaus geht, ist dieses Musterformular hilfreich:

Eine zweite Sache, an der ich gerade noch arbeite, ist eine Vereinbarung zwischen Kirchengemeinde und mir als Administrator, die regelt was bei meinem Weggang aus der Gemeinde passiert. (Passwörter, Übergabe an einen Nachfolger, Weisungsbefugnis dem Hoster gegenüber,…).

 

_______________Hier endet der Blogpost, _______________
_______________alles Nachfolgende sind _______________
_______________Einzelheiten, die vermutlich _______________
_______________nur für wenige interessant sind._______________
  • in Anlage 2 des Musters (Direktlink auf das PDF), sollte darauf geachtet werden, dass so etwas drinsteht wie: „Der jeweilige Kirchenvorstandsvorsitzende, derzeit…“ Damit auch spontane Wechel ohne Übergabe kein Problem werden
  • Anlage 1 des Musters kann durch das Datenschutzkonzept des Hosters ersetzt werden (was in aller Regel sehr ähnlich aufgebaut sein sollte)
  • Bei §2, 1. Art der Daten im ADV-Vertrag habe ich möglichst viele Datenarten eingetragen um später nicht in Bedrängnis zu geraten, wenn sich die Nutzung ändert. Ob das euer Datenschützer auch mitmacht, kann ich nicht sagen. Bei mir gab es zumindest eine intensive Nachfrage.
  • Den §6 Unterauftragsverhältnis im ADV-Vertrag konnte ich streichen, da das Rechenzentrum zwar die Räumlichkeiten und Anschlüsse zur Verfügung stellt, aber keinen Zugriff auf die Server hat.
  • Datenschützer beruhigt es ungemein, wenn man mit einem Plan zu ihnen kommt und sich vorher schlau gemacht hat. Beispielsweise ist das in Owncloud eingebaute Nutzer- und Gruppenmanagement mit den jeweils erforderlichen Zugriffsberechtigungen nur auf Dateien, die zur Arbeit nötig sind, ein wichtiger Punkt, den man verstanden haben und erklären können sollte. 😉
  • Denkt daran, dass am Ende der Kirchenvorstand haftet, wenn etwas schief läuft. Eine gute Dokumentation der Schutzmaßnahmen und der Belehrungen der Nutzer ist wichtig!
  • Ich hänge bewusst weder meinen genutzten ADV-Vertrag noch meine Verpflichtung an, da ich ungern morgen einen auf den Deckel kriegen will, weil ein Detail doch nicht ganz genau passt. Wenn ihr Interesse habt und in einer ähnlichen Situation wie ich seid, dürft ihr aber nachfragen.

PS: Was ich sonst zum Datenschutz unbedingt mal loswerden muss: Liebe Kirchengemeinden mit Kontaktformularen auf ihren Internetseiten, es gibt mittlerweile kostenlose SSL-Zertifikate, mit denen man die Eingaben eines Kontaktformulars verschlüsseln kann, sodass etwaige Seelsorgeanliegen (das sind hochsensible Daten!!!) weit sicherer durch den digitalen Äther wandern. Bitte macht euch schlau und sorgt für Sicherheit und Datenschutz!

*Gewöhnlich würde ich hier keine Namen nennen, aber die immer kompetente Hilfe und die Geduld bei fast einem Jahr Verhandlungszeit haben mich einfach überzeugt. (Wegen dieser Nennung ist dieser Blogpost auch nicht auf dem landeskirchlichen Blog evangelippisch.de gelandet)

Als ich heute auf das Datum des letzten Eintrags geguckt habe, kam mir sofort der Gedanke „Oh, lange nicht gebloggt! Du müsstest dringend mal wieder…“. Dann fiel mir ein, dass es gar nicht soooo lange her ist, allerdings sind die letzten Posts aus einem anderen Blog gelandet, deshalb hier zur Vorsicht die Links:

WhatsApp als Newslettersystem und Digitalisierung, Pfarrberuf und Gemeinde

Beides ist auf evangelippisch.de gelandet, dem neuen Blog der Lippischen Landeskirche.

Alltags-Tools für Bilder

Auf dem Barcamp Kirche Online sprach ich nicht nur bei einer Session über den Adventskalender auf Snapchat, sondern auch zwischendurch viel über Tools, Websites und Helferlein für den Alltag. Jan bat mich, ein paar davon hier vorzustellen. Da in einem Megartikel zu viel untergeht, wird es ein kleine Blog-Serie. Dieses Mal gibt es das Thema: Bilder.

 

Tineye.com – Die Rückwärts-Bildersuche. Für mein Psalm 23-Heft und bei vielen anderen Gelegenheiten erwies sich eine akribische Suche nach Urhebern von Bildern als unbedingt notwendig. Nicht wenige Websites mit kostenlosen Bildern tummeln sich im Netz – aber welche Bilder davon sind geklaut? Ehrlich gesagt ist mir bis jetzt nur ein Fall untergekommen, bei dem ein Foto aus einer Bilddatenbank für lizenzfreie (oder CC0-lizensierte) Fotos auch noch lizenzpflichtig mit einem anderen Autorennamen bei einem kommerziellen Stock-Portal angeboten wurde. Trotzdem, hätte ich das nicht mittels Rückwärts-Bildersuche sowohl mit tineye.com als auch mit der Google-Bildersuche gecheckt, hätte ich jetzt mit Sicherheit ein Abmahnverfahren am Hals.

Bilder und Grafiken für lau. Immer wieder bin ich auf der Suche nach Grafiken und Fotos, die ich ohne rechtliche Probleme verwenden kann. Mittlerweile besitze ich ja zwei recht gute Kameras, was mich durchaus manchmal selbst auf die Suche nach einem passenden Motiv gehen lässt. Fehlt aber die Zeit, oder brauche ich etwas Besonderes, dann sind diese beiden Seiten meine Favoriten: unsplash.com und gratisography.com. Erstere sammelt von vielen Fotografen Fotos und hat eine Suchfunktion, letztere bietet Fotos mit einem besonderen Stil. Die Fotos von beiden Seiten sind lizenzfrei bzw. CC0-lizensiert, trotzdem lohnt sich zumindest bei unsplash für Vorsichtige ein Blick in die Rückwärts-Bildersuche. Ansonsten benutze ich gern die Google-Bildersuche mit der Zusatzeinstellung für Lizenzen. Für Grafiken/Cliparts benutze ich clker.com. Die Seite bietet lizenzfreie Grafiken im SVG- und PNG-Format. Die Qualität schwankt stark und manches wirkt altbacken. Trotzdem lande ich oft einen Glückstreffer.

qrcode.littleidiot.be – der QR-Code für Zwischendurch. Diese Seite liefert QR-Codes ganz nach Wunsch. Ob eine Visitenkarte, ein Link oder einfach Text, dieses Tool kann es. Eine Besonderheit ist, dass diese Seite auch QR-Codes im svg-Format ausgibt, also als Vektorgrafik, was ich schon öfters für Drucksachen brauchte.

GIMP, der Alleskönner – zumindest mit den passenden Erweiterungen. GIMP ist eine Bildbearbeitungssoftware für Windows, Linux und Mac. Die Funktionsvielfalt ist ähnlich erschlagend wie bei Photoshop und die Bedienung nicht immer einfach. Trotzdem ist dieses kostenlose Programm das meistgenutzte nach dem Webbrowser und Office. Um meine speziellen Anforderungen zu meistern braucht GIMP allerdings noch zwei Erweiterungen: Separate+ und Save for web. Ersteres erlaubt es mir druckfähige CMYK-TIFFs zu erstellen, letztere optimiert Bilder auf ihre Dateigröße hin, sodass sie auch mit schmalbandigen Internetanschlüssen zügig geladen werden können. Wie ihr die Erweiterungen installiert, ist je nach Betriebssystem verschieden, bemüht einfach die Suchmaschine eurer Wahl.

TinyPic – einfach Bilder verkleinern. Wer GIMP nur dafür öffnet, um ein Bild auf die passende Größe zu schrumpfen wird sich über das kleine Tool TinyPic als Alternative freuen. Einfach die gewünschte Bildgröße wählen, das Bild ins Programmfenster ziehen, fertig. (Als alter Linuxer benutze ich stattdessen natürlich convert auf der Kommendozeile 😉 )

Man könnte meinen, der Hype um Pokmon Go wäre eine Erfindung der Werbeindustrie – zumindest wenn man nur vor dem PC hockt. Ist man aber zum Beispiel im Schlosspark in Detmold unterwegs, ändert sich das Bild. Horden von Jugendlichen und jungen Erwachsenen tummeln sich zwischen den sogenannten Pokestops um Pokebälle, Tränke und Eier einzusammeln oder das ein oder andere Pokemon zu fangen. Eine Welle des Unverständnisses rollt durch die Erwachsenenwelt über unaufmerksame Pokemon-Trainer im Straßenverkehr oder in den Schulen.

Ob es auch beim Landeskirchenamt Pokemon gibt?

Ob es auch beim Landeskirchenamt Pokemon gibt?

Ich wollte dem Hype trotz rechtlicher Bedenken auf den Grund gehen (bevor er vorbei ist?) und wagte mich in die Welt der Taschenmonster, um zu verstehen statt zu verurteilen. In den vergangenen zwei Wochen konnte man mich bei vielen Gelegenheiten mit dem Handy in der Hand erwischen. So richtig intuitiv ist die Smartphone-App nicht, zwar fange ich die ersten Pokemon recht schnell, aber mit wird nicht klar, wie ich sie möglichst schnell aufbaue, wie ich kämpfe und was ich sammeln und was links liegen lassen sollte. Hier gibt es zahlreiche Tipps in Ratgebern im Netz und bei andere Pokemon Go Spielern. Ich vermute, dass diese Undurchsichtigkeit Teil der Faszination ist, da es immer ein Gesprächsthema gibt. Ein anderer Teil ist die Vielfalt der Pokemon (zumindest am Anfang) und der Überraschungsfaktor der auszubrütenden Eier. Hinzu kommt der Faktor der augmented reality (erweiterte Realität). Die Spielerinnen und Spieler bekommen mit dem Spiel mehr zu sehen, als die Nichtspieler. Als ob man einem Geheimbund angehören würde, zwinkert man sich verschwörerisch zu, wenn man einen Mitspieler sieht und fragt sich, welche Pokemon er/sie wohl schon gefangen und welches Level er/sie hat.

Hier wird es spannend, denn anders als so viele andere Spiele, zwingt Pokemon Go geradezu seine Spieler nach draußen zu gehen und anderen Spielern zu begegnen. Man tauscht sich online, aber eben auch offline über gute Jagdgründe aus und das Jagen, die Besuche der Pokestops und die Kämpfe in den Arenen machen gemeinsam viel mehr Spaß als alleine.

Pokemonjagd mit Jugendlichen

Oh? Was schlüpft wohl aus dem 10km-Ei?

Wie so oft wollte es der Zufall (…), dass PokemonGo kurz vor meiner Jugendfreizeit in meinem Blick geriet und ich mit Pokemon-Grundwissen und 14 Jugendlichen zum Segeln in die Niederlande fuhr. Bedingt durch die Roaming-Kosten war ich so ziemlich der Einzige an Bord (und an Land), der sich über eine Internetverbindung freuen konnte und so reifte in mir die Idee bei einem abendlichen Landgang die Pokemon-Trainer der Teilnehmer zu sammeln und gemeinsam auf Jagd zu gehen. Mein eigenes Smartphone verlieh ich an einen Teilnehmer, dessen Handy nicht die Voraussetzungen für Pokemon Go hatte, der aber trotzdem gerne mal spielen wollte. Wir sahen uns einige Sehenswürdigkeiten von Texel an (dankenswerter Weise sind solche Dinge meistens Pokestops oder Arenen) und spielten gemeinsam und allein, je nachdem, was gerade dran war.

Meinen Beobachtungen nach, lässt die Aufmerksamkeit für die nicht erweiterte Realität dank des Spiels deutlich nach. Mehrfach musste ich meine Teilnehmer auf Autos oder andere Gefahren hinweisen. Gleichzeitig erlebte ich aber eine große Interaktion unter den Jugendlichen, die von gemeinsamer Spannung (ein ausgebrütetes Ei), Schadenfreude (ich habe das Pokemon gefangen und du nicht) bis hin zu gemeinsamem Jubel reichte. Die Gespräche während des Jagens  drehten sich zwar hauptsächlich um das Spiel selbst, hatten jedoch ebenfalls Momente von Tiefe und gänzlich andere Themen.

Bei der Begeisterung wunderte es mich wenig, dass meine Jugendlichen für meine Drei-Worte-Andacht (die Zuhörer geben dem Andachthaltenden zur Vorbereitung drei Worte, die in der Andacht vorkommen müssen) ausgerechnet das Wort Pokemon aussuchten. Glücklicherweise hatte ich kurz vor der Freizeit einen Beitrag gelesen, der sich um Pokemon Go und Christentum dreht und so konnte ich einen Gedanken aufnehmen, den ich spannend fand: Auch wir Christen sehen eine erweiterte Realität. Wir sehen Gottes Wirken in der Welt, können mit ihm interagieren, können Menschen als unsere Schwestern und Brüder sehen und sind wie die Pokemon Go Spieler eine Gemeinschaft, die manchmal für ihre Fähigkeit mehr zu sehen schief angeguckt wird. Sicherlich hat die christliche augmented reality einen weit umspannenderen, wichtigeren und lebensverändernden Kontext, aber vielleicht hilft die Parallele Jugendlichen den Glauben verständlicher zu machen.

Für die nähere Zukunft schwebt mir irgendwie so etwas wie ein Pokemon-Nachmittag mit Jugendlichen vor. Ein Pokestop mit Lockmodulen versehen (sie locken Pokemon an und damit auch Spieler 😉 ) und dann mit geistlicher und physischer Nahrung über Gott, Pokemon und die Welt zu reden. (siehe auch: Licher PokémonGo-Challenge) (Wichtig wie bei allem anderen: Es darf niemand zum Installieren der App getrieben werden! Aber wenn die Jugendlichen eh… ihr kennt das.)

Ich muss gestehen: Pokemon Go hat auch mich unvorsichtiger in einigen Situationen werden lassen, es reizt geradezu dazu. Trotzdem bietet es Möglichkeiten Menschen zusammenzubringen und etwas gemeinsam an der frischen Luft zu tun. Die Faszination hat mich gepackt und ich werde wohl nicht direkt nach diesem Blogpost mit dem Spielen wieder aufhören. Der fade Nachgeschmack des Datenschutzproblems bleibt leider (aber das ist wohl der Preis den man für „kostenlose“ Dienste wie Facebook, Google, PokemonGo u.a. zahlt).

In diesem Sinne: Experimentiert statt zu verurteilen und schreibt mir eure Ideen und Meinungen zu Pokemon Go.

kreuzIch mag es, für Konfis ein sprichwörtliches Feuerwerk abzubrennen. Letzte Woche hatte ich Zeit mal wieder so etwas vorzubereiten. Das Thema Passion Jesu stand an und so gab es eine Mischung aus Stationenlernen und Planspiel zur Passionsgeschichte mit anschließendem chronologischen Überblick.

1. Teil: Passion aus verschiedenen Blickwinkeln

Im ersten Teil meines vierstündigen Konfi-Tages konnten die Konfis Aspekte und Geschichten von Jesu Passion und seiner Auferstehung aus den Blickwinkeln folgender Personen erfahren: von Petrus und Maria, vom römischen Hauptmann und den Pharisäern und von den Emmausjüngern. Jede Person saß in einem separaten Raum und wartete mit ihrer Geschichte und einer Aufgabe auf die Konfis. Die Geschichten sind bewusst kurz gehalten und erwähnen wenig Details, weil im zweiten Teil ohnehin der Original-Wortlaut gelesen wird. Die persönliche Sicht und die emotionale Note ist hier erstmal wichtiger.

Die Aufgaben reichen von Bibelaufschlagen und die begonnene Geschichte zu Ende lesen (und dann eine Frage beantworten), über kreative und repetative Aufgaben bis zur Introspektion zum Thema Schuld. Am Ende jeder Station stand das Bedanken der biblischen Person mit einem Gegenstand, der für die Konfis erst im zweiten Teil eine Rolle spielen sollte.

Da die Stationen jeweils aus der Geschichte und dem Aufgabenteil bestand, war die Chance selbst für sechs Gruppen bei fünf Stationen relativ groß, eine freie oder halbwegs freie Station zu finden. Für den Fall der Fälle habe ich noch einen Stapel „Bonusrätsel“ im zentralen Raum ausgelegt.

Mit ein paar motivierten Konfi-Teamer (sie waren großartig!) und der Anfangsansage „Bildet höchstens sechs in etwa gleichgroße  Gruppen und nehmt einen Stift und eure Bibeln mit“ ging es los. Nach etwa 110 Minuten waren meine 30 Konfis durch und hatten sich redlich eine Pause verdient. Diese nutzte ich zum Aufbau eines Beamers, um einige der Ergebnisse präsentieren* zu können (siehe „WLAN“).

Nach der bei uns üblichen Frühstückspause ging es weiter mit einer Andacht, die bei der Station zum Thema „Schuld“ anknüpfte. Dort war dann auch die Zeit un der Ort um die an der Station entstandenen Aufzeichnungen wie versprochen zu vernichten und in ein entsprechendes Gebet einzubinden.

WLAN

„Ey, warum daddelt ihr mit dem Smartphone, ihr sollt doch arbeiten!“ –

„Tun wir doch, ihr dürft auch gleich, wenn ihr mit dieser Station dran seid.“

Was diese Konfistunde für mich besonders spannend machte, war das Ausprobieren einer neuen Methode: An einer Station sollten die Konfis per bereitgestelltem WLAN (über einen zu diesem Zweck aufgestellten Freifunk-Router) Bilder zum Thema Auferstehung suchen und sich Gedanken zu einem der Bilder machen und diese kurz notieren. Die Bilder sollten heruntergeladen und per Mail oder WhatsApp an mich geschickt werden. (Die Dateien landen per Mail bzw. WhatsApp-Web auf dem Laptop. Zu diesem Zweck habe ich noch spaßeshalber eine extra Mailadresse angelegt). Wer es urhebrrechtlich hundertprozentig sauber haben möchte, kann sich einfach die Links statt der Dateien schicken lassen. Am Ende des Stationenlaufs gab es die Bilder im Plenum per Beamer zu sehen. Ich war echt beeindruckt mit was für tiefgründigen Gedanken die Konfis ihre Bilderwahl erklärten.

2. Teil: Ordnung ins Chaos bringen

Im zweiten Teil sollten die Konfis die Möglichkeit erhalten, die vielen bruchstückhaften Informationen in eine chronologische Reihe zu bringen. Da diese Idee nicht mal im Ansatz von mir ist, sei sie nur kurz beschrieben: Die Konfis lesen gemeinsam die Passionsgeschichte in der Bibel und immer wenn in der Geschichte einer der in Teil 1 ausgegebenen Gegenstände auftauchte, wird „Stopp“ gerufen und der Gegenstand in eine sich immer weiter aufbauende chronologische Reihe von Gegenständen eingereiht. Beim Wiederauftauchen dürfen Gegenstände auch verschoben werden. Als Vorbereitung müssen nur die in der Gruppe gesammelten Gegenstände auf die Mitglieder verteilt werden, so dass auf jeden Fall jeder der Gesamtgruppe einmal „Stopp“ rufen kann. Ich musste aufgrund des Zeitdrucks leider recht zügig lesen und konnte wenig Nachfragen und Erklärungen geben (was zum Glück vielfach durch den 1. Teil wett gemacht wurde**). Bei mehr Zeit und guten Mitarbeitern ist beim Lesen der Passionsgeschichte einiges mehr möglich!

Fazit

Etwa 20 kg Material, 5 Konfi-Teamer und einen Haufen Vorbereitungszeit haben sich für diesen Tag echt gelohnt. Deshalb überlasse ich euch auch gern mein Material, vielleicht möchtet ihr ja etwas ähnliches machen, aber wollt nicht alles selbst schreiben. Texte, Vorlagen,… stehen unter der CC0-Lizenz. Macht damit was ihr wollt. Bei einer Wiederveröffentlichung und Bearbeitung würde ich mich über eine Namensnennung und einen Hinweis freuen (aber das ist keine Pflicht).

Inspiriert hat mich übrigens „Wo ist Jesus von Nazareth?“ – Jesus-Suchspiel von Pfrn. Kerstin Hillgärtner. Vielen Dank dafür!

Download

Leider konnte ich euch die Bibeltexte aus Urheberrechtsgründen nicht anhängen 😦 Was meint ihr, warum ich so ein ein Monsterprojekt wie die Offene Bibel ins Leben gerufen habe… genau aus diesem Grund: Frust über die Urheberrechtsprobleme mit Bibelübersetzungen. 😉

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* Das muss sich bei ausreichend Zeit nicht auf die gesuchten digitalen Bilder beschränken. Gerade für die bei der Petrus-Station gestalteten Texte wäre eine Würdigung und die Möglichkeit der Nachfrage wünschenswert.

** Ich habe die Methode aus Teil 2 auch schon ohne Kontext genutzt und es war wesentlich mehr Input zum verstehen nötig, als nach Teil 1.

 

Eine Woche Urlaub hat auch meine Paracord-Sammlung erweitert. 😀 

Die Knüpftechniken von links nach rechts: Advanced Solomon (incl. Varianten), Underwood, Icelandic Dream, BlazeBar, CrossKnot, King Snake, SideStep, Copperhead, Solomon Mountain. Mit den Namen solltet ihr die Anleitungen leicht per Suchmaschine finden.

Für eine Methode in meinem Konfiunterricht (Blogeintrag folgt siehe „Konfistunde zur Passionsgeschichte„) brauchte ich WLAN. Allerdings konnte ich nicht einfach den Router des Gemeindehauses für die Konfis öffnen, deshalb entschied ich mich spontan einen Freifunk-Router aufzustellen. Der eignet sich übrigens nicht nur für temporäres Aufstellen für die Konfis, sonders besonders für den dauerhaften Betrieb für Flüchtlings-Cafes, Internet-Gottesdienste und ganz allgemein Gäste der Gemeindehäuser und Kirchen.

Warum ich nicht einfach den WLAN-Schlüssel an die Konfis weitergeben kann

  1. die Konfis würden sich im internen Netz bewegen und so bei schlecht konfigurierten Netzen  (wie sie leider in der 08/15-Gemeinde häufig vorkommen) auf interne Daten zugreifen. Das berührt dann die beiden sensiblen Bereiche Datenschutz und Datensicherheit.
  2. Was wenn die Konfis im Netz Blödsinn anstellen? Es muss ja gar nicht der große digitale Bankraub sein, es reicht ja schon ein illegal heruntergeladenes Musikstück. Die Haftung habe ich/die Gemeinde als Anschlussinhaber und zahle in aller Regel die Abmahngebühr von 500€ bis zu mehreren tausend Euro. Das Schlagwort hierzu lautet Störerhaftung. Auch wenn gerade ein neues Gesetz zu offenen WLANs auf dem Weg ist, wird es Die Störerhaftung nach Einschätzung einiger Rechtsexperten weiterhin geben.
  3. Habe ich einmal die Zugangsdaten herausgegeben, haben die Konfis sie entweder, oder ich muss sie immer wieder bei Bedarf ändern, was den anderen Mitarbeitenden sauer aufstoßen könnte, da sie dann nicht mehr ins Netz kommen.

Meine Lösung: Freifunk

Mit einem Freifunk-Router baut man ein zusätzliches Netzwerk auf, das nur den Internet-Zugang des Gemeinderouters braucht. Ist diese Verbindung erst einmal hergestellt lösen sich alle drei genannten Probleme in Luft auf, denn:

  1. Der Freifunk-Router leitet jede Verbindung durch einen verschlüsselten Kanal durch den Gemeinderouter (oder natürlich auch den normalen privten Router) und erst dann ins Internet (man spricht vom Tunneln, violett dargestellt). Aus diesem Datentunnel kann der Nutzer des Freifunk-Routers nicht ausbrechen und somit nicht auf Daten aus dem Gemeindnetz zugreifen.
  2. Der Tunnel wird vom Freifunk-Router genaugenommen nicht nur ins Internet gebuddelt, sondern bis zu einem speziellen Server, der nicht von der Störerhaftung betroffen ist. Erst dort gelangt der Nutzer des Freifunk-Netzes ins Internet. Damit ist die Kirchengemeinde die Haftungsfrage los.
  3. Durch das separate WLAN des Freifunkrouters können die Mitarbeitenden weiterhin im internen WLAN arbeiten, ohne sich mit Änderungen herumschlagen zu müssen.

test1Konkrete Schritte

Zuerst gilt es den richtigen Router für die Anforderungen zu kaufen. Für mal zwei bis drei Personen im Freifunknetz reicht ein Modell für etwa 15€ (TP-Link WR841N); für 15-20 Personen wie meine Konfistunde brauchte ich schon das nächst größere Modell für etwa 50€ (TP-Link WR1043ND). Hätte ich meine ganze Konfigruppe mit Teamern gleichzeitig online gebraucht hätte es wohl der Router für etwa 80-90€ (TP-Link WDR4300/ Archer C7) sein müssen. Im Zweifelsfall hilft die lokale Freifunk-Initiative gern weiter – persönlich oder per Website (Freifunk Lippe). Gerade bei komplizierteren Situationen (Außenbereich, WLAN soll woanders liegen, als der Anschluss ist,…) lohnt es sich Kontakt aufzunehmen.

Der von euch ausgewählte Router braucht nun neue Software, sogenannte Firmware. Die findet ihr ebenfalls auf der Website der lokalen Freifunk-Community. Diese Firmware (bitte passt auf die genauen Bezeichnungen und Versionen der Router auf) wird anschließend installiert. Auch damit sind euch die Freifunker im Zweifelsfall gern behilflich.

Danach sollte es ausreichen euren nagelneuen Freifunk-Router an euren Gemeinderouter anzuschließen. Letzter Schritt: Freuen und Surfen!

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PS: Freifunker arbeiten in der Regel sehr gerne mit Kirchengemeinden zusammen, da die Kirchtürme mit ihrer großen Höhe gute Positionen für Richtantennen sind und so Verbindungen über lange Strecken und die WLAN-Versorgung größerer Gebiete ermöglicht.

PPS: Was spricht dagegen? Nichts. Ok, ein paar Dinge könnte man anführen:
1. Mit dem Router wird ein offenes Wlan aufgebaut (meist mit SSID stadtxy.freifunk.net) in das sich jeder einloggen kann. Hu, auch Nicht-Gemeindemitglieder? Ja, und?!
2. Der Schutz vor der Störerhaftung ist nicht 100% sicher, sondern nur so um die 99,9999999% (jemand mit extrem vielen Kenntnissen könnte mit geringer Wahrscheinlichkeit den Router entsprechen hacken). Aber mal ehrlich, 100%ige Sicherheit gibt es nicht!
3. Es wird berichtet (wohl weil es in Deutschland wenig freies WLAN gibt) dass um die Freifunk-Hotspots gern auch bis spät nachts Menschen stehen, die laut sind – nichts, was man nicht im Notfall mit einer Zeitschaltuhr regeln kann.

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