erlöst – vergnügt – befreit             mal kritisch – mal blauäugig – mal vergeekt

Friendica-LogoVor kurzem erreichte mich die Mail eines Jugendgruppenleiters, der sich für die Nutzung von Friendica im Rahmen seiner Arbeit interessiert. Er war durch einen Blogpost von Ralf Peter Reimann darauf aufmerksam geworden. Da die Fragen direkt aus der praktischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen kommen, möchte ich euch die Fragen (aus Datenschutzgründen leicht verfremdet) und meine Antworten nicht vorenthalten – zum einen, weil ich hier schon über Friendica geschrieben habe, zum anderen, weil ich selbst viele Jahre in der Jugendarbeit tätig war. Vielleicht hilft es ja jemandem.

Ich bin Jugendgruppenleiter bei Träger XY. Im privaten Leben habe ich keinen facebook-Account, weil ich deren Datenpolitik gruselig finde. Ich habe schnell gemerkt, dass die Vernetzung mit Jugendlichen im ländlichen Raum nicht nur über Bus, Bahn & Homepages geschehen kann. Zwar haben die meisten Jugendlichen ohnehin einen fb-Account, aber in vielen Jugendgruppen gibt es ein, zwei fb-Verweigerer. Weil ich die natürlich nicht zur fb-Mitgliedschaft „zwingen“ oder auch nur ermutigen will, stehe ich jetzt vor der Frage nach offenen Alternativen oder Ergänzungen. Allerdings hören meine Computerkenntnisse bald hinter dem Verbinden eines Netzlaufwerkes unter Windows auf.

Das ist so lange nicht schlimm, wie alles läuft und nichts schief geht, die normale Administration von Friendica ist recht simpel wenn man einmal durchgestiegen ist. Die Bereitschaft Neues zu lernen muss natürlich da sein.

Wo zum Beispiel „liegen“ Posts und Bilder die über den das Connector-Plugin ihren Weg zu fb finden? Auf dem heimischen friendica-Server oder dann doch bei fb?

Die liegen bei Facebook. Ich erkläre dir kurz die Architektur von der Facebook-Schnittstelle und dem Connector auf der Friendica-Seite. Facebook bietet mit seiner API (Programmierschnittstelle) Facebook-Benutzern die Möglichkeit, über Fremdprogramme auf den eigenen Facebook-Account zuzugreifen. Das bedeutet, dass derjenige, der mit Facebook-Benutzern interagieren will, ebenfalls Facebooknutzer sein muss. Die Abfolge ist also so: Der Friendica-Benutzer postet ein Foto und Text. Dieses wird auf seinem Friendica-Server gespeichert und an Facebook gesendet. Dort wird es wie ein ganz normaler Post behandelt (wie etwa einer, der von einem Smartphone mit der Facebook-App geschickt wurde).

Was passiert mit z.B. Fotos bei fb, wenn der Urheber sie auf dem friendica-Server löscht?

Sie bleiben auf den Facebook-Server bestehen (s.o.).

Welche Tools oder Plugins gibt es bei friendica für Videos, Bilder, Umfragen oder Terminkalender?

Termine können erstellt werden (ob die auch an Facebook weitergereicht werden können, weiß ich nicht). Videos können einfach eingebunden werden (über einen speziellen Videobutton). Bis dahin ist es Standard. Es gibt ein Plugin, das die Termine im iCal-Format ausgibt (das habe ich aber auch noch nicht getestet). Ein Umfrage-Addon gibt es nicht (man könnte mal die Entwickler fragen, das dürfte nicht allzu kompliziert sein. Bis dahin kann man sich mit einem Trick behelfen: Man postet die Frage. Dann erstellt man die möglichen Antworten als jeweils einzelne Antwort. Die Gefragten müssen dann nur die entsprechende Antwort liken. (Auch hier ist wieder die Frage, wie gut das bei Facebook ankommt, das habe ich noch nicht probiert.)

Welche (Hardware- und Know-How-) Voraussetzungen wären für einen eigenen friendica-Server nötig, braucht man dazu Linux-Kenntnisse?

Gute Kenntnisse sind allgemein nicht zu verachten. Solange keine Probleme auftreten, musst du eigentlich nur Webspace und eine MySQL/MariaDB-Datenbank haben und mit Filezilla oder einem andere beliebigen FTP/sFTP-Programm umgehen können. Schneller (Einfacher? Je nach Blickwinkel) geht ein Update allerdings mit ein paar Linuxkenntnissen…

Welche Kosten kämen mit einem eigenen Friendica-Server auf Träger XY zu?

Wenn ihr keinen passenden Webspace (ein paar Mindestvorraussetzungen muss er erfüllen) übrig habt, denke ich, ihr solltet mit mindestens 6€/Monat rechnen. Darunter würde ich für den professionellen Einsatz keinesfalls Webspace anmieten. Eine Domain sollte natürlich auch her (wenn sie cool genug ist, kommen vielleicht ein paar Werbungsgeschädigte Kids von Facebook zurück?!), auch wenn der Betrieb auf einer Subdomain ohne Weiteres möglich ist.

Das Szenario, was ich mir gut vorstellen kann ist folgendes: Der Jugendleiter/die Pastorin/… ist auf Friendica und FB angemeldet und postet von Friendica aus. Die standhaften Facebookverweigerer sind auf Friendica angemeldet und bekommen dort die Infos und die FBler bekommen die Infos gewohnt über ihren Stream.


PS: Alles, was ich schreibe ist ein Schnappschuß von Friendica zu diesem Zeitpunkt (Dezember 2012). Die Entwicklercommunity von Friendica ist sehr aktiv und es ist manchmal schwer bei der Vielzahl neuer Funktionen den Überblick zu behalten. Und wenn mal was klemmt, oder eine Funktion fehlt, zögert nicht bei den Entwicklern nachzufragen!

PPS: Der nächste Artikel zu Friendica wird sich um neue Funktionen und Themes, den Umzug von churchy.de auf einen neuen Server und die SocialApi von Firefox drehen.

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Kommentare zu: "Friendica in der Jugendarbeit?" (3)

  1. Reblogged this on Θ TheoNet.de and commented:
    Friendica in der Jugendarbeit?
    Inklusion ist ein wichtiges Thema, das man in viele Richtungen auffächern kann. Inklusion ist aber auch eine Handlung, niemanden abzuhängen oder auszuschließen, weil er oder sie in ein bestimmtes Raster nicht hat. Natürlich kann und muss man Facebook auch in der Jugendarbeit nutzen, weil die Mehrzahl der Jugendlichen es nutzen. Gleichzeitig gilt aber auch, niemanden von Kommunikationswegen auszuschließen, weil er oder sie aus nachvollziehbaren oder nicht nachvollziehbaren Gründen kein Facebook nutzt. Friendica bietet sich als Alternative an. Wie das geht, schreibt Wolfgang Loest in seinem Blog.

  2. […] Vor kurzem erreichte mich die Mail eines Jugendgruppenleiters, der sich für die Nutzung von Friendica im Rahmen seiner Arbeit interessiert. Er war durch einen Blogpost von Ralf Peter Reimann darauf…  […]

  3. infoleck schrieb:

    Falls man bereits einen WordPress-Blog (selbst gehostet, nicht wordpress.com) betreibt oder vorhat aufzusetzen, kann auch ein Blick auf Buddypress lohnend sein: http://www.berens.net/2012/12/community-website-mit-buddypress/

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